Wappen der 2. Staffel MFG 3
Die PALLAS-HAVARIE
(25.10.98 - 10.01.99) 
Zusammengestellt und bearbeitet
von Andreas Eickernjäger (ã1998,1999)
Geschichte der Ölüberwachung

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Am späten Nachmittag des 25.10.98 geriet der mit Holz beladene Frachter "PALLAS" (Heimathafen: Nassau) westlich der dänischen Nordseeküste in Brand. Fünfzehn der sechzehn Besatzungsmitgliedern  konnten in der Nacht von dänischen und deutschen Helikoptern aus der tosenden Nordsee gerettet werden. Das brennende Schiff trieb danach führerlos in der Nordsee. Seit diesem Zeitpunkt wurde das Schiff von einer DO 228 LM des MFG 3 mindestens zweimal jeden Tag auf Ölaustritte kontrolliert. Am 26.10.98 waren die Mehrzweckschiffe "Neuwerk" und "Mellum" vor Ort und begannen zunächst damit, den Brand einzudämmen.
Eine erste Notschleppverbindung (Polypropylen-Leine, 70 Tonnen Zuglast) zwischen dem Havaristen und der "Neuwerk" konnte am 26.10.98 gegen 18:30 Uhr hergestellt und für ca. 1 Stunde aufrechterhalten werden. Nachdem diese erste Trosse gerissen war, wurde nun eine aus zwei Polypropylen-Leinen bestehende Notschleppverbindung von der "Mellum" zur "Pallas" hergestellt. Danach konnte "Mellum" das Schiff für ca. 16 Stunden mit ca. 2 NM/h in Richtung Helgoland schleppen, bis die Schlepptrosse am 27.10.98 gegen 12:30 Uhr barst. Der Backbordanker der "Pallas" wurde ausgebracht, und das Schiff damit zunächst auf Position gehalten. Am nächsten Tag konnte erneut eine Schleppverbindung hergestellt werden, die allerdings schon nach etwa 30 min erneut brach. Aufgrund des äußerst stürmischen Wetters konnten keine weiteren Schleppverbindungen hergestellt werden. Die "PALLAS" strandete dann in der Nacht vom 28. auf den 29.10.98 ca. 7 NM südwestlich Amrum auf einer Sandbank bei etwa 6m Wassertiefe.
Vom Reeder wurde ein Bergungsunternehmen beauftragt, die "PALLAS" von der Sandbank zu ziehen. Die Schwierigkeit bestand darin, aufgrund der sehr geringen Wassertiefe nahe genug an den Havaristen heranzukommen, um eine vernünftige Schleppleine anzubringen. Die Schlepper / Bohrinselversorger "ALEX GORDON" und "ENGLISHMAN" versuchten dann bis zum 04.11.98  die "PALLAS" von der Sandbank zu ziehen. Zunächst waren diese Bemühungen nicht von Erfolg gekrönt. In der Nacht zum 05.11.98  konnte dann bei Hochwasser das gestrandete Schiff um ca. 70° gedreht werden. Dabei hatten beide Schlepper Grundberührung und mussten Cuxhaven anlaufen, um etwaige Reparaturen vornehmen zu lassen. Die "PALLAS" wurde zum Wrack erklärt, da sich der Berger außerstande sah, das Schiff nun noch von der Sandbank zu ziehen.
Mit ablaufendem Wasser senkten sich nun aber Bug und Heck der "PALLAS" ab, so das im hinteren Drittel ein Knick entstand, aus dem nun verstärkt Öl ausfloss. ( Gut sichtbar seit dem 08.11.98 )
Am 12.11.98 erschien das Feuerlöschboot "Kiel" bei dem Havaristen, um von außen den immer noch schwelenden Schiffsrumpf zu kühlen. Dies dauerte auch noch am 13.11.98 und 14.11.98 an. Parallel dazu wurden holländische Feuerbekämpfungsspezialisten auf dem Schiff abgesetzt, um vorbereitende Maßnahmen für die Löscharbeiten durchzuführen. Weiterhin wurden auch Ölsperren ausgebracht (s.a. Bilder vom 17.11.98), um ein ungehindertes Ausbreiten ausgelaufenen Öles zu unterbinden. Danach sollten von Bord der "PALLAS" aus die Schwelbrände endgültig gelöscht werden, um ein relativ gefahrloses Abpumpen des Öles überhaupt zu ermöglichen. Am 22.11.98 war das Feuer dann endgültig aus. Zwischenzeitlich wurde die Hubinsel "BARBARA" neben der "PALLAS" stationiert, um das noch vorhandene Öl abzupumpen.
Bis zum 16.12.98 konnten dann einige hundert Tonnen Schweröl, sowie große Teile der verkohlten und verölten Holzladung, gelöscht werden. Die "PALLAS" arbeitete sich in diesem Zeitraum durch die Gezeiten und einige Stürme immer weiter in die Sandbank ein. Dadurch sank auch das Risiko, dass das Wrack doch noch zerbrach und der Rest der Betriebsstoffe sich in die Nordsee ergoss. Im Zeitraum bis zum 29.12.98 wurde weiteres Öl von der "PALLAS" gepumpt, so das lediglich einige 1000 Liter noch an Bord blieben. Durch einen schweren Sturm während der Weihnachtsfeiertage wurden Bug und Heck des Wracks unterspült, so das sich der Knickwinkel zwischen Vorder- und Hinterteil des Schiffes deutlich vergrößerte. Bug und Heck sind nun während des Hochwassers regelmäßig überflutet. Dadurch wurden aus den vorderen Laderäumen nicht gelöschte Holzbalken herausgespült und an den Stränden von Amrum und besonders von Föhr angeschwemmt.
Am 10.01.99 wurde das Abpumpen des Öles beendet, da nur noch unbedeutende Reste der Ölladung im Rumpf der "PALLAS" verblieben seien. Etwa 305 Kubikmeter Öl konnten durch die Bergungscrew der "BARBARA" abgepumpt werden. 870 Tonnen Öl-Sand-Gemisch wurden von den Stränden von Amrum, Föhr und Sylt entfernt. Mehr als 16.000 Seevögel verenden durch das ausgeflossene Öl oder müssen getötet werden. Über das weitere Schicksal der "PALLAS" soll im Frühjahr 1999 entschieden werden.
Die politische Aufarbeitung der Abläufe seit dem 25.10.98 durch einen Untersuchungsausschuss im Schleswig - Holsteinischen Landtag wird voraussichtlich bis Mitte des Jahres dauern.
Für die Besatzungen der DO 228 LM ist das "Kapitel PALLAS" aber noch lange nicht beendet. Obwohl die Bergung offiziell zum 10. Januar 1999 beendet wurde, werden weiterhin Kontrollflüge in das Gebiet südwestlich von Amrum durchgeführt. Dabei wurden auch weiterhin geringe Mengen ausgetretenen Öles festgestellt. Zusätzlich wird durch Fotos das Einsinken der "PALLAS" in das Watt dokumentiert. ( siehe Fotos vom 14.01.99 , 15.01.99 , 17.01.99 und 07.02.99 )
In der 7. KW 1999 wurde das Wrack von -GREENPEACE- "geentert". In einer Pressewirksamen Aktion wurden einige Ölfässer mit noch vorhandenem Öl gefüllt, und diese den Behörden übergeben. Des weiteren wurde ein Transparent an der Brücke befestigt, auf dem "IHR HABT NOCH NICHT FERTIG !" zu lesen war (in Anlehnung an den Trappatoni-Spruch, Fotos von 22.02.99). Daraufhin wurde seitens der Behörden mit eigenen Kräften eine erweiterte Ölbeseitigung begonnen, da insbesondere in den achteren Laderäumen immer wieder Öl zusammenläuft (siehe auch Bilder vom 08.03.99).
 
 

Die "PALLAS" ist nicht das erste Schiff, dass im Deutschen Wattenmeer strandete. Im Dezember 1961 strandete der Frachter "ONDO" mit einer Ladung Kakao in der Elbmündung. Im Januar 1962 setzte nur wenige Meilen entfernt der italienisch Frachter "FIDES" auf dem Sand auf. Beide Wracks sind bei Niedrigwasser im Schlick noch gut erkennbar. Ebenfalls 1962, am 17. Februar während der großen Sturmflut, strandete das dänische Kümo "DUNJA" auf der Sandbank "Großer Knechtsand". Seither liegt das Schiff dort tief in den Sand eingesunken und rostet still vor sich hin. Manche Schiffe konnten von den Bergern aber auch gerettet werden. Ein beeindruckendes Beispiel dafür ist der dänische Frachter "BALKA". Obwohl das Schiff so hoch auf dem Sand lag, dass bei Flut das Wasser nur etwa einen Meter hoch das Schiff umspülte, konnte es freibekommen werden. Mit Hilfe einer Raupe wurde in etwa sechs Wochen eine ca. 35m breite Rinne geschoben, durch die das Schiff mit eigener Kraft (unterstützend gezogen durch den Raupenschlepper) das tiefe Wasser erreichen konnte.
 
 

Karte der Pallas-Irrfahrt

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