Einsatzflug mit den "Ölis" – einer DO 228 des Marinefliegergeschwader 3 in Nordholz

28.07.98 © Kajo

Heute war es soweit - im Rahmen meiner Wehrübung hatte ich einen Mitflug auf einer DO 228 der 2./Staffel des Marinefliegergeschwaders 3 "Graf Zeppelin" bekommen.

Pünktlich um 19:00 hatte mich der "FOLLOW ME" nach Base Ops abgeholt und zeitig trafen auch meine "Kutscher" KL Freiberg und sein Co-Pilot KL Kress bei den Flugberatern ein. Vorher wurde noch das aktuelle Wetter bei den Wetterfröschen eingeholt, bei den Flugberatern von Base Ops bekamen sie noch Infos zu den aktuellen Restricted Areas (Schießzonen, Vogelfluggebiete im Einsatzgebiet)

Dann ging´s mit dem Bulli zu Halle "A", der "Garage" der DO 228LM. Unterwegs bekomme ich von KL K. schon einige Infos zur Maschine und zum bevorstehenden Flug in die südliche Nordsee.

Die eigentliche Operation wird vom Bundesministerium der Verteidigung im Auftrage des Bundesministeriums für Verkehr durchgeführt, die Durchführung des Betriebes obliegt der Marine, früher dem MFG 5 in Kiel, heute dem MFG 3 in Nordholz.

Diese startet mit den speziell für die Suche nach "Ölsündern" (z.B. Schiffe, Bohrinseln usw. ) ausgestatteten Maschinen des Typs Dornier DO 228LM zu Flügen in Nord- und Ostsee, um Verschmutzer der Meere zu suchen und ggf. Material für eine Feststellung/Überführung und spätere Bestrafung durch die zuständigen Behörden zu sammeln.

An der Halle wartet schon der Operator OBtsm Henrich Meyer, der während des Fluges am Sichtgerät der Überwachungselektronik sitzt und bei einer festgestellten Einleitung eine genauere Untersuchung einleiten würde. Die Kutscher werden vom Operator zur Stelle der Verschmutzung geführt und sofort werden Untersuchungen in allen verfügbaren Modi eingeleitet, um den Umfang der Verschmutzung festzustellen.

Sollte ein "Sünder" auf frischer Tat erwischt werden, können sofort per Funk Schiffe von Bundesgrenzschutz bzw. Zoll herbeigerufen werden, um vor Ort "Bestandsaufnahme" machen zu können. Bis diese eintreffen werden per Video- bzw. Papierbildkamera die Beweise gesichert und Bilder im Infrarot- Ultraviolett- und Laserfluoreszens-Modus geschossen, um das Ausmaß der Verschmutzung zu dokumentieren

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Pre-Flight-CHeck, eine Aufgabe des "Co", auf´s genaueste wird die "Mühle" rundherum gecheckt

Nachdem die Maschine von "CO" von außen und innen kontrolliert und für in Ordnung befunden wurde steigen wir an Bord und nehmen die Plätze ein. Anschnallen, die Motoren werden angelassen und auf Betriebstemperatur gebracht und nach Rollfreigabe vom Tower rollen wir über die Taxi-Way´s zur Start- und Landebahn.

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Die Triebwerke laufen, wir rollen Eine DO LT aus der DO LM gesehen..

Hier werden am Startbahnkopf die Triebwerke nochmals getestet, und nachdem der Tower sein "GO" gegeben hat, gibt der Kutscher volle Leistung auf beide Treibwerke. Schon nach sehr kurzer Rollstrecke hebt die DO von der Piste ab, das Fahrwerk wird eingeklappt und elegant schweben wir Richtung Elbemündung.

cux.jpg (8982 Byte) Sobald wir in der Luft sind, übernimmt der vorher programmierte Autopilot und wir fliegen auf vorgegebener Route hinaus in die Deutsche Bucht. Unter uns sehen wir die aus- und einlaufenden Schiffe von Elbe und Weser, und schon hier im relativ engen Fahrwasser wird per Radar kontrolliert. Kurze Zeit nachdem wir Cuxhaven passiert haben, kommt Helgoland unter einer dünnen Wolkendecke voraus in Sicht, und ich mache schnell noch einige Fotos vom roten Felsen, den wir an Steuerbord liegen lassen.

Cuxhaven im Dunst (ca 300 ft Höhe)

Helgoland in Sicht (Frontscheibe) >

Die rote Insel von oben

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Leicheter Dunst, aber die Insel ist gut zu erkennen

In 1000-1500 ft. Höhe geht´s mit ca. 160 Knoten Reisegeschwindigkeit Richtung Westen, wobei mir der "Operator" Henrich an seinem Display die Möglichkeiten der eingebauten Überwachnungselektronik vorführt. Die Sicht ist relativ gut, leichter Dunst und kleinere Wolkenfelder beeinträchtigen die Suche nicht sonderlich.

Nach einstündigen Flug, schon fast im britischen Luft-Überwachungsraum werden die Wolken dicker und die Sicht nimmt ab. Auch die Sonne verschwindet langsam hinterm Horizont, einige schnelle Schnappschüsse kann ich noch machen. Als die Sicht noch schlechter wird – die Wolke vom Dienst hängt uns im Weg – entschließt sich der Pilot, sicherheitshalber die Flughöhe zu verlassen und auf 4000 ft. zu steigen. Als wir aus der Suppe herauskommen haben wir einen herrlichen Blick und die Sonne scheint wieder auf ein großes Cumulus-Wolkenfeld – wie gemacht für ein Werbebanner für eine große Airline.

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Impressionen im Gegenlicht sun3.jpg (18555 Byte)

Jetzt wechseln wir den Kurs Richtung Niederlande und wir kommen in den Kontrollbereich von Amsterdam. Die Sicht im Küstenbereich ist wieder besser, wir können wieder tiefer fliegen und schon versinkt die Sonne zum zweiten mal für heute im Wasser. Aber auch in diesem Bereich werden wir heute nicht fündig und kurz vor der niederländischen Küste schwenken wir in östliche Richtung ein, um den Rückflug zum heimatlichen Fliegerhorst anzutreten. Mit der Dunkelheit kommen wir zurück ins deutsche Hoheitsgebiet und unser Kutscher sinkt, nachdem wir uns angeschnallt haben, auf 300 ft. Höhe. Aus knapp 100 m Höhe haben wir einen erstklassigen Ausblick hinunter auf die Nordsee, und in nächster Nähe passieren wir Emden Reede mit seinen hell erleuchteten Schiffen. Kurz darauf kommt uns auf dem Weg zum englischen Kanal ein riesiger Containerdampfer entgegen, man könnte meinen, die Masten reichen bis auf unsere Flughöhe hinauf- auch dieses Schiff ist hell erleuchtet. Entlang der friesischen Inseln fliegen wir weiter, sichten noch einige Fischerboote, passieren seewärts Cuxhaven und überfliegen noch in der Wesermündung die ebenfalls über alle Toppen beleuchtete Englandfähre auslaufend von Bremerhaven.

Schon von weitem sehen wir die Landebahnbefeuerung von Nordholz und nach der Clearence vom Tower rumpelt das Fahrwerk aus den Schächten und sanft setzt die Maschine auf der Runway auf. Entlang der blauen Taxiwaybefeuerung rollen wir Richtung Vorfeld "A", wo uns einer der Mechaniker auf unseren Parkplatz einweist. Nachdem die Treibwerke zum Stillstand gekommen sind können wir nach über 3 Stunden die Maschine verlassen und ein unvergeßlicher Flug hat ein Ende gefunden. Nachdem wir die Rettungsgeräte und die anderen Gerätschaften entladen und im Bulli verstaut haben fahren wir noch längst R+S, geben dort die Schirme und Schlauchboote wieder ab, um dann in der 2./Staffel auch den Bulli abzustellen. Die wenigen Meter zur Unterkunft gehe ich noch zusammen mit dem Kutscher, um kurz darauf um viele Erfahrungen reicher diesen Bericht zu beginnen.

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sun5.jpg (7579 Byte) Insel Neuwerk            
                                                 Wolkengebirge

 

Sonnenuntergang

 

Von dieser Stelle nochmals herzlichen Dank an die gesamte Crew für ein unvergeßliches Erlebnis

KJ